Deutsche Mineralogische GesellschaftDie DMG verleiht die Georg-Agricola-Medaille
Preisträger der letzten 10 Jahre2009 Stanislav Konstantinovich Filatov (St. Petersburg)
Die Georg-Agricola-Medaille wurde an Herrn Prof. Dr. Stanislav Konstantinovich Filatov (Staatliche Universität St. Petersburg) für seine grundlegenden Beiträge auf dem Gebiet der Angewandten Mineralogie verliehen. Er hat über einen Zeitraum von etwa 40 Jahren wesentliche Resultate zum Auftreten, der Systematik und der Deutung des Phänomens der negativen thermischen Ausdehnung gewonnen. Prof. Filatov hat sich besonders mit Boraten und Borosilikaten befasst, die aufgrund ihres kleinen thermischen Ausdehnungskoeffizienten und den damit verbundenen geringen thermischen Spannungen von großer praktischer Bedeutung sind. Er hat das scheinbar anomale Ausdehnungsverhalten einzelner Stoffe immer wieder vor dem strukturellen Hintergrund erklären können und somit die maßgerechte Werkstoffentwicklung in besonderer Weise stimuliert.
2006 Ekkehard Salje (Cambridge)
Die Deutsche Mineralogische Gesellschaft verleiht die Georg-Agricola-Medaille an Herrn Prof. Dr. Ekhard K. H. Salje FRS, FRSA für seine innovativen Beiträge auf dem Gebiet der Angewandten Mineralogie”. Seine Arbeiten zur Anwendung von Mineralien bei der Passivierung von radioaktiven Abfällen und über ferroelastische Mikrostrukturen in Mineralen hatten signifikante Auswirkungen auf technologisch wichtige und anwendungsnahe Forschungsgebiete, wie z.B. die Hochtemperatur- Supraleitung, In über 30 Arbeiten hat Professor Salje mit seinen Mitarbeitern das Verglasungsverhalten von verschiedenen Speichermineralien bestimmt und damit völlig neue Wege zur Einkapselung von Plutonium und anderen radioaktiven Elementen gefunden. In einem anderen Arbeitsschwerpunkt hat Professor Salje die Anwendung verschiedener Minerale als Modellsubstanzen für die lokalisierte Diffusion von Atomen und kleinen Molekülen erarbeitet, was in elektronischen Speicherelementen und für medizinische Techniken zur Verabreichung von Medikamenten in kleinen, aber wohl dosierten Mengen wichtig ist. Diese technologie-nahen Arbeiten führten dazu, dass er 1986-1996 Kodirektor eines an der Universität Cambridge angesiedelten Forschungszentrums zur Supraleitung war. Studenten und Mitarbeiter von Professor Salje sind aufgrund ihrer Ausbildung weltweit in Industriebetrieben wie Samsung, Rolls Royce, Rio Tinto, BP, Shell und Siemens angestellt und mit vielen dieser Firmen hat die von Prof. Salje geleitete Gruppe Kooperationsabkommen. 2002 Gerd Müller (Würzburg) aus der Laudatio: "Nach dem Mineralogie-Studium an den Universitäten Erlangen und Karlsruhe und einer Promotion über Alkalifeldspäte bei Prof. Dr. Hans Wondratschek mit summa cum laude im Jahr 1970, war Gerd Müller beruflich sehr erfolgreich beim Jenaer Glaswerk Schott & Gen. von 1970 bis 1983 tätig. Von 1983 bis 1992 wirkte er als Professor für Technische Mineralogie und seit 1991 für nichtmetallisch-anorganische Werkstoffe an der Technischen Universität Darmstadt, erfüllte die Studienrichtung Technische Mineralogie mit Leben und gestaltete den Aufbau des Fachbereichs und Studiengangs Materialwissenschaft. Seit 1992 leitet Gerd Müller das große Fraunhofer-Institut für Silikatforschung in Würzburg und bekleidet den Lehrstuhl für Silikatchemie an der Universität Würzburg. (...) Mit der Ehrung durch die Georg-Agricola-Medaille würdigt die Deutsche Mineralogische Gesellschaft einen ideenreichen Wissenschaftler, ausgezeichneten Hochschullehrer und hervorragenden Organisator in Wirtschaft und Wissenschaft." 2001 Robert B. Heimann (Freiberg) aus der Laudatio: "Herr Heimann ist seit gut 35 Jahren als Forscher und Lehrer einer Technischen Mineralogie, die auf Grundlagenforschung baut, international tätig. Sein Eintritt in die Forschung erfolgte in Berlin bei Prof. Mehnert. Promotion und Habilitation gipfelten 1975 in der bekannten Monographie: "Auflösung von Kristallen. Theorie und Technische Anwendung". (...) Herr Heimann verließ 1977 Berlin und gelangte über Karlsruhe 1979 nach Canada, wo er insgesamt 14 sehr erfolgreiche Jahre verbrachte. U.a. leitete er bei der Atomic Eregy of Canada Arbeiten zur Sicherheit der Endlagerung und beriet auch bei der nuklearen Entsorgung in der Bundesrepublik. (...) Seit 1993 lehrt Herr Heimann Technische Mineralogie an der TU Bergakademie Freiberg, (...). Der neue Freiberger Studiengang "Geoökologie", heute ein Studentenmagnet, trägt ebenfalls seine Handschrift. (...) Die Deutsche Mineralogische Gesellschaft ehrt mit Professor Dr. Robert Bertram Heimann einen Forscher und Lehrer, der der Technischen Mineralogie viele neue Impulse gegeben und ihre Entfaltung und Verbreitung über die Grenzen Deutschlands hinaus in hervorragender Weise gefördert hat." 1999 Dietbert Knöfel (Siegen) aus der Laudatio: "Dietbert Knöfel hat durch sein Lebenswerk mineralogische Methoden und Konzepte in anwendungsnahe Disziplinen eingebracht. (...) [Er] gründete im Jahr 1980 [an der Fachhochschule Siegen] das Labor für Bau und Werkstoffchemie, welches eine hohe internationale Reputation erreichte, und wurde 1993 zum Ordinarius an der Universität-Gesamthochschule Siegen berufen. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat sich Prof. Knöfel dem gesamten Fachspektrum der Baustoffe, ihrer Korrosion, des Korrosionsschutzes und der Instandsetzung gewidmet. (...) Dietbert Knöfel hat die Angewandte Mineralogie in Forschung und Lehre herausragend vertreten." 1997 Hans-Ulrich Bambauer (Münster) aus der Laudatio: "Hans Ulrich Bambauer gelang zusammen mit seiner Arbeitsgruppe die wissenschaftliche Erklärung der in Innsbruck entwickelten Technik, durch Herstellung eines "Stabilisats" Rauchgasreinigungsrückstände zu entsorgen. (...) In weiteren Forschungsprojekten zur Schadstoffimmobilisierung, an denen Hans Ulrich Bambauer maßgeblich beteiligt war, gelang es, dieses Entsorgungskonzept auch auf die Rauchgasreinigungsrückstände von Müllverbrennungsanlagen zu übertragen. (...) Der Forscherpersönlichkeit Hans Ulrich Bambauers wird man nur gerecht, wenn auch seine großen Verdienste in der mineralogischen Grundlagenforschung gewürdigt werden. (...) Die Deutsche Mineralogische Gesellschaft und ihre Kommission für Technische Mineralogie ehren mit Professor Hans Ulrich Bambauer einen Wissenschaftler, der es in vorbildlicher Weise verstanden hat, Brücken zwischen Grundlagen der Mineralogie und dem Schutz der Umwelt zu schlagen."
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