Deutsche Mineralogische GesellschaftDie DMG verleiht den Victor-Moritz-Goldschmidt-Preisan junge Wissenschaftler/innen für besonders wichtige Arbeiten aus den vorausgangenen fünf Jahren.
Preisträger der letzten Jahre2010 Sandro Jahn (Potsdam)
2008 Thorsten Kleine (Zürich)
2007 Thomas Zack (Heidelberg)
2006 Andreas Audétat (Tübingen)
Die Deutsche Mineralogische Gesellschaft verleiht den Viktor-Moritz-Goldschmidt-Preis an Herrn Dr. Andreas Audétat für seine Beiträge zum Verständnis magmatisch-hydrothermaler Erzlagerstätten. Durch die von ihm an der ETH Zürich mit entwickelte Methode zur Untersuchung einzelner Flüssigkeitseinschlüsse mit Hilfe von Laser-Ablation-ICP-MS konnte er in vielen Fällen die Evolution der Fluid-Zusammensetzung während der Kristallisation eines Plutons genau rekonstruieren. Herr Audétat konnte mit seinen Untersuchungen erstmals direkt im Gelände eine Reihe von Phänomenen nachweisen, die man bisher immer nur aus theoretischen Überlegungen heraus vermutet hatte, wie etwa (i) die extreme Anreicherung von Spurenelementen wie Sn, Cu oder Au in Fluiden bis zu mehreren 1000 ppm, (ii) den dominierenden Einfluß von Halogenen auf die Spurenelementanreicherung im Fluid und (iii) die Bedeutung der Entmischung von wässrigen Fluiden in Gasphase und Salz-reiche Lösungen für die Fraktionierung und Anreicherung von Spurenelementen. Herr Audétat hat mit seinen Arbeiten wesentlich dazu beigetragen, die Brücke zwischen Geländebeobachtung, experimentellen Studien und theoretischen Vorhersagen in der Lagerstättenforschung zu schließen. Die von ihm entwickelten Methoden werden bereits jetzt von zahlreichen Arbeitsgruppen aufgenommen und angewandt. Neuere Arbeiten von Herrn Audétat beziehen sich auf die Eigenschaften von Fluiden im Erdmantel. Sie zeigen, dass wässrige Fluide im Erdmantel selbst dann, wenn sie sehr reich an gelösten Silikaten sind, eine verblüffend niedrige Viskosität haben, was für das Verständnis subduktions-bezogener magmatischer Prozesse von fundamentaler Bedeutung ist. 2005 Mario Trieloff (Heidelberg) aus der Laudatio: "Methodisch liegt sein Schwerpunkt auf der Messung von Edelgas-Isotopenverhältnissen in terrestrischen und extraterrestrischen Mineralen und Gesteinen. So konnte er u.a. mittels hochpräziser 40Ar-39Ar- und 244Pu-Spaltspuren-Thermochronometrie an verschiedengradig metamorphen H-Chondriten zeigen, dass deren Mutterkörper sich sehr schnell aufgeheizt hat, wahrscheinlich durch inkorporiertes 26Al, das mit einer Halbwertszeit von ca. 0,7 Ma zu 26Mg zerfiel und bereits nach einigen Millionen Jahren im frühen Sonnensystem nicht mehr vorhanden war. Der damit erbrachte Nachweis, dass sich Asteroide bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Sonnensystem gebildet haben, stellt einen grundlegenden Beitrag zur Rekonstruktion der Entwicklung des Sonnensystems dar." 2004 Andrea Koschinsky (Bremen) aus der Laudatio: "Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit gelösten und an Festkörper gebundenen Schwermetallen im Ozeanwasser: dem Verhalten dieser Metalle unter verschiedenen Redoxbedingungen, deren Einbau in marine Sedimente, und ihrer Alteration durch diagenetische Prozese (...). Die Ergebnisse der Arbeiten von Frau Koschinsky finden Anwendung in der marinen Geochemie, in der Lagerstättenkunde und den Teilen der Isotopengeochemie, die Fe-Mn-Krusten als Zeitarchiv nutzen. Frau Koschinsky verfügt außerdem über beträchtliches Organisationtalent: sie hat an zehn SONNE- und METEOR-Forschungsfahrten teilgenommen, war Fahrtenleiterin auf einer Forschungsfahrt und auf zwei weiteren stellvertretende Leiterin." 2003 Carsten Münker (Münster) aus der Laudatio: "Besonders wichtige wissenschaftliche Beiträge hat [Carsten Münker] zur Genese von Magmen an Subduktionszonen sowie zur zeitlichen Analyse von Subduktionssystemen geleistet. Aufgrund verbesserter bAnalysemethoden konnte Herr Münker Unterschiede in Nb/Ta-Verhältnissen von Erde, Mond und Meteoriten nachweisen und daraus wesentliche Erkenntnisse für die Entstehung des Mondes gewinnen. Die Untersuchungen von Hf-Isotopen ergaben, daß die Erde schon vor 4,4 Ga eine, wenn auch volumenmäßig geringe, kontinentale Kruste hatte." 2003 Falko Langenhorst (Bayreuth) aus der Laudatio: "Herr Langenhorst ist ein international angesehener Mineraloge, der sich seit vielen Jahren mit der Untersuchung von Impaktgesteinen im Labor und im Gelände beschäftigt. (...) Die wichtigste von Herrn Langenhorst angewandte Untersuchungsmethode ist die Transmissionselektronenmikroskopie. Sowohl bei der Untersuchung der Mikrostruktur geschockter Minerale als auch in der Weiterentwicklung der analytischen Methodik hat Herr Langenhorst wesentliche Beiträge geleistet, die entscheidende Fortschritte für die Transmissionselektronenmikroskopie darstellen." 2002 Astrid Holzheid (Münster) aus der Laudatio: "Experimentelle Arbeiten über Metalloxide in Silikatschmelzen, auch bei sehr hohen Drücken, die Frau Holzheid zunächst in Köln und später am Massachussetts Institute of Technology und am Bayerischen Geoinstitut durchgeführt hat, haben zu wichtigen neuen Erkenntnissen über den Mechanismus der Entstehung des Erdkerns geführt. Als wichtigste Arbeit von Frau Holzheid ist zweifellos die Bestimmung der Metall-Silikat-Verteilungskoeffizienten hochsiderophiler Elemente unter Erdmantelbedingungen anzusehen. (...) Auffallend an dem Lebenslauf von Frau Holzheid sind ihre zahlreichen erfolgreichen Aufenthalte an den verschiedensten Forschungseinrichtungen in Deutschland, Schottland und in den USA, die allesamt zu beachtlichen wissenschaftlichen Ergebnissen geführt haben." 2000 Marcus Nowak (Hannover) aus der Laudatio: "Herr Nowak hat durch seine Untersuchungen zu den Löslichkeitsmechanismen von Wasser in Modellsystemen bahnbrechende Arbeiten zum Verständnis der Eigenschaften natürlicher Magmen geleistet. Durch die Entwicklung einer Hochtemperatur-Meßzelle konnte er erstmalig Infrarotspektren silikatischer Schmelzen unter realistischen Bedingungen messen und damit die in-situ-Speziation von Wasser bestimmen. (...) [Marcus Nowak hat] durch seine experimentellen Arbeiten unsere Kenntnis des Einflusses von flüchtigen Bestandteilen in natürlichen Magmen auf Viskosität, Phasengleichgewichte und Diffusion entscheidend vorangebracht und damit die Grundlage für ein quantitatives Verständnis der Dynamik von Vulkaneruptionen gelegt." 1999 Thomas Stachel (Frankfurt) aus der Laudatio: "Thomas Stachel erkannte früh, daß der Schlüssel für ein besseres Verständnis der Entstehung von Diamanten im Erdmantel in den syngenetischen Mineraleinschlüssen der Diamanten zu suchen ist. Aufbauend auf zahlreichen, sorgfältig erstellten Daten zum Spurenelementinventar der Einschlußminerale sowie auf Eregebnissen zur Isotopie von Kohlenstoff und Stickstoff und zur Stickstoff-Aggregation in den Wirtsdiamanten hat Thomas Stachel ein neues Bild von der Entstehung von Diamanten und insbesondere von der Evolution des subkratonischen lithosphärischen Mantels entwickelt. Dieses Szenario faßt die Subduktion archaischer Ozeankruste, ihre Metasomatose durch Methan-reiche Fluide und die Bildung refertilitisierter Lherzolithe und der Diamanten zusammen." 1998 Björn Winkler (Kiel) aus der Laudatio: "Herr Winkler hat in den vergangenen Jahren pionierhafte Beiträge zum Zusammenhang zwischen Struktur und Eigenschaften von Mineralen geleistet. Nach sehr erfolgreichen experimentellen Studien zur Dynamik schwingungsmechanisch sehr selbständiger Moleküle - meist H2O - im Käfig oder Kanal von Wirtsstrukturen unter Anwendung einer originellen Kombination von Neutronenstreuung, Röntgendiffraktometrie, dielektrischer Verlustmessung und Ramanstreuung hat er sich inzwischen dem sehr jungen Forschungsgebiet der "Computational Mineralogy" zugewandt und ist hier durch hervorragende wissenschaftliche Publikationen und außergewöhnliche Initiativen zu einem der führenden Vertreter dieses Gebiets in Deutschland geworden." 1997 Anton Eisenhauer (Göttingen) aus der Laudatio: "Herr Dr. Eisenhauer hat durch geochemische Untersuchungen an Korallen und Mangankrusten wegweisende Beiträge zur Rekonstruktion von Paläoklimata und Klimaveränderungen geleistet. (...) Dr. Eisenhauers Untersuchungen an Korallen zur Bestimmung der Meeresspiegelschwankungen haben wesentliche neue Erkenntnisse zum globalen Wasserhaushalt der Ozeane und der Eiskappen während der letzten Warm- und Kaltzeiten beigesteuert. (...) Durch die Preisverleihung ehrt die Deutsche Mineralogische Gesellschaft Herrn Anton Eisenhauer als herausragenden Geochemiker, der (...) der geochemischen Forschung in Deutschland einen wichtigen Forschungszweig eröffnet hat." 1997 Alan B. Woodland (Heidelberg) aus der Laudatio: "Die Arbeiten von Alan Woodland beschäftigen sich mit Redox-Reaktionen gesteinsbildender Minerale, und zwar sowohl unter experimentellen als auch theoretischen Gesichtspunkten und in Anwendung auf reale natürliche Mineralvergesellschaftungen. (...) Beeindruckend an der Leistung von Alan Woodland ist die große Breite seines Forschungsansatzes und der zur Lösung von Problemen eingesetzten Methoden. (...) Durch die Preisverleihung zeichnet die Deutsche Mineralogische Gesellschaft Herrn Dr. Alan Woodland als hervorragenden Mineralogen aus, dessen innovative Arbeiten für verschiedene Teildisziplinen der Mineralogie wie Geochemie, Petrologie und Kristallographie von Bedeutung sind (...)."
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