Deutsche Mineralogische Gesellschaft

 

Zukunft der DMG

 

 

Der Weg hin zu einer Vereinigung der DMG mit anderen geowissenschaftlichen Verbänden wurde vor wenigen Jahren von Gregor Markl entschieden eingeschlagen, als er den Vorsitz der DMG inne hatte. Wir haben die Doppelmitgliedschaft DMG/GV geschaffen, die zunächst nur für studentische Mitglieder angeboten war, inzwischen auch für Vollmitglieder, und die für die heutigen studentischen und künftigen Vollmitglieder zum Regelfall geworden ist. Es besteht offensichtlich ein Bedürfnis nach enger Kooperation zwischen der DMG und benachbart operierenden Verbänden. Aktuelle Vereinigungsbestrebungen geologischer Fachverbände haben eine intensive Diskussion ausgelöst, die hier dokumentiert wird, und die sicherlich noch nicht zu Ende ist.

Im nächsten Heft von GMit wird unser Vorsitzender Rainer Altherr den aktuellen Stand mitteilen. Ein paar vorweggenommende Sätze aus seinem Beitrag: " (...) Auf meine Bitte, sich an der durch die DGGeowissenschaften und die GV initiierten Meinungsäußerung zu beteiligen, gingen zunächst nur relativ wenige Beiträge von DMG-Mitgliedern ein (...); inzwischen können Sie aber weitere Beiträge in diesem Heft und auf unserer Homepage lesen.
Wichtig ist für uns, dass sich auch (...) das Fachforum Geowissenschaften der DFG Ende August mehrheitlich in einem Brief an die Vorsitzenden der o.g. fünf Gesellschaften dafür ausgesprochen (hat), dass die Gesellschaften enger aneinander rücken sollten. (...)
Das erste Sondierungsgespräch der Vorstände der fünf Gesellschaften fand (...) am 25.10.2011 in Frankfurt am Main im Institut für Geowissenschaften statt. Es wurde vereinbart, dass sich die DGGeowissenschaften und die GV so bald wie möglich vereinigen (...); die danach verbleibenden vier Gesellschaften sollen einen Dachverband gründen. Die einzelnen Gesellschaften und somit auch die DMG bleiben also erhalten; dies schließt die Sektionen und die Arbeitskreise ein. (...) Man war sich auch darüber einig, dass eine gemeinsame Geschäftstelle im Wissenschaftszentrum in Berlin unbedingt erforderlich ist, um die Geowissenschaften in der Öffentlichkeit besser zu verankern. Diese Geschäftsstelle muss natürlich von den Gesellschaften finanziell getragen werden; zunächst werden 10-15 € pro Person erforderlich sein.(...)

Liebe DMG-Mitglieder,
bitte beteiligen Sie sich weiter am Meinungsaustausch, am einfachsten per eMail an
rainer.altherr@geow.uni-heidelberg.de

 

 

Der sehr förderliche Beitrag von Gerhard Wörner (Göttingen) ist in GMit Nr. 45 vom Sept 2011 erschienen. Nachstehend alle weiteren Diskussionsbeiträge, die an verschiedenen Stellen der DMG eingegangen sind.
(Die Hervorhebungen am Beginn jedes Beitrags hat sich der Online-Redakteur erlaubt)

 

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Die Zukunft der DMG – Stimmen aus den Reihen der Mitglieder

 

 

Die Zukunft der DMG wird sich aus meiner Sicht - hier spricht ein Vertreter der Angewandten Mineralogie - sehr gut entwickeln können. Dafür müssten wir bereit sein, uns wandeln und an Moderne Zeiten (Charlie Chaplin lässt grüßen) anpassen zu können: ohne unsere Identität oder den Kern unserer Disziplin aufzugeben. Wesentlich kann es dabei sein, auch die Anforderungen der realen Welt außerhalb der Mineralogie zu verstehen.
Was passiert in der realen Außenwelt? In Handel, Wirtschaft, Industrie, Kultur und sogar in der Politik? Es wird fusioniert! Nicht um des permanenten Vereinigen willens, sondern weil es um synergetische Nutzung unserer Ressourcen in allen Dimensionen und auf allen Ebenen geht. Und das Ganze steht im Zeichen von Wettbewerb. Daran wird niemand von uns etwas ändern können.
Es braucht heute schlichtweg immer mehr einer bestimmten, abgestimmt kritischen Masse, um bestehen, gehört werden sowie Einfluss nehmen zu können. Anders wird es in den nächsten (vielleicht vielen) Jahren nicht gehen können. Und mal ehrlich: Welche Verluste werden wir denn zu gewärtigen haben? Der eigentliche Verlust wäre doch nur der, dass wir partout der 'entre nous' DMG-Club bleiben wollen, und uns dann die außermineralogische Welt nicht mehr verstehen und hören wird, weil wir zu bedeutungslos geworden sind. Eine hochfähige, hochwissenschaftliche Randgruppe eben. Historisch gesehen ist die Mineralogie einmal die Mutter der Chemie gewesen, aber im Vergleich zur Tochter hat die Mineralogie heute ein deutlich bescheideneres Standing; in der realen Welt. Die Zeiten ändern sich halt.
Mit Eintritt in einen größeren geowissenschaftlichen Rahmen, in eine größere und leistungsfähigere geowissenschaftliche Struktur, letztendlich in eine größer verbundene, weiter vernetzte Wissenschaftswelt bekämen wir eine Menge Chancen: andere benachbarte Disziplinen lernen dauerhaft besser unsere Kernkompetenzen kennen und schätzen. Und umgekehrt würde es auch so sein. Wenn wir weiterhin gut bleiben, werden wir Mineralogen dabei nur gewinnen können. In jeder Hinsicht. Also: offener und größer werden wollen. Das sollten wir versuchen.
Alle anderen Alternativen lassen sich schlicht so zusammenfassen: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Und das sollten wir uns ersparen.

Thomas Holzapfel, Hattingen

 

 

Mineralogie: Die Materialbezogene Geowissenschaft. Dies ist die Überschrift eines „Flyers“ der DMG, der im Jahre 2006 verteilt wurde. Damit wird auch die Breite der Aufgaben der Mineralogie erfasst. Mineralogie steht nicht allein wie ein Monolith in der wissenschaftlichen Landschaft, sondern definiert sich, vielleicht mehr als die meisten anderen geowissenschaftlichen Disziplinen, durch ihr Potential, das Arbeitsfeld im Umfeld benachbarter Disziplinen zu etablieren. Wie viele Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, der Geologischen Vereinigung, der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, der Paläontologischen Gesellschaft, etc. greifen auf quantitative Analysen von (Bio-)Geomaterialien zurück, auf geochemische und petrophysikalische Grundlagen, um ihre Interpretationen abzuleiten? Auch wenn die Gesellschaften durch ihre eigenen Stärken und Profile gut charakterisiert sind, bewegt sich doch kaum einer von uns wissenschaftlich in dem engen Raum, der durch „seine“ Gesellschaft definiert wird. Vorbei sind die Zeiten, in denen SPP-Teilnehmer fast ausschließlich einer Gesellschaft angehörten. Die Themen der letzten geförderten Schwerpunktprogramme der DFG zeigen eindeutig, dass die wissenschaftlichen Herausforderungen nur mit den Kompetenzen vieler geowissenschaftlicher Communities zu bewältigen sind.
Warum bräuchten wir aber dennoch eine übergeordnete Struktur, um die Gesellschaften der festen Erde zu repräsentieren? Müssen wir uns wirklich die Probleme, die wir nur zu gut von den Hochschulen her kennen, die oft von den (zu) vielen Verwaltungs- und Entscheidungsebenen (Fakultäten, Departments, Abteilungen etc.) herrühren, auch hier in der Organisation unserer wissenschaftlichen Community antun? Ich bin der festen Überzeugung, dass eine übergeordnete Struktur, wie immer sie aussehen mag, schlichtweg unabdingbar ist, wenn die Geowissenschaften Politik und Wirtschaft mit einer Stimme effizient und kompetent bei großen Forschungsaktivitäten beraten wollen. Noch kann die frühere Geokommission (jetzt DFG-Senatskommission „Zukunftsaufgaben der Geowissenschaften“) diese Rolle bei der DFG übernehmen. Aber keine Organisation, die die großen gesellschaftlichen Herausforderungen (u.a. Ressourcen, Energie, Endlagerproblematik, CCS, Landschaft) bewältigen muss, wird sich die Mühe geben, ca. zehn Gesellschaften zu kontaktieren, um eine kompetente Beratung zu erhalten. Dann sollten wir uns nicht wundern, wenn diese Aufgaben direkt zu den Großforschungseinrichtungen weitergeleitet werden und deshalb die Forschungsqualität an den Universitäten, die für den Nachwuchs sorgen müssen, dementsprechend darunter leidet. Inzwischen sind an den Hochschulen die Studiengänge „Geowissenschaften“ aus dem Zusammenschluss von mehreren Fachrichtungen entstanden. Die Standorte haben ihr eigenes Profil gewonnen, nicht immer zum Nachteil der mineralogischen Fachrichtungen. Diese hochschulbedingte Konvergenz von Teil-Disziplinen der Geowissenschaften mitsamt den persönlichen Mitgliedern ihrer fachlichen Vertretungen zu etwas Größerem ist ja ein äußerst wünschenswerter Prozess, voll im Sinne der von Allen so beschworenen Interdisziplinarität. Das hat allerdings zur Folge, dass sich unsere Studierenden gar nicht mehr mit den einzelnen Gesellschaften identifizieren können, weshalb sie mehr und mehr dazu neigen, gar keiner Gesellschaft mehr anzugehören. Es ist an der Zeit, der Außenwelt und auch der jungen Generation eine Struktur anzubieten, die die Geowissenschaften über die einzelnen Gesellschaften hinaus wissenschaftspolitisch vertreten kann.

Francois Holtz (Hannover)

 

 

Mineralogie: Quo Vadis
Während der letzten Mitgliederversammlung der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft (DMG) am 22. September 2011 in Salzburg wurde vom Vorsitzenden, Professor Rainer Altherr, der Vorschlag eingebracht, mit der Geologischen Vereinigung (GV), der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften (DGG), der Paläoontologischen Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Geophysik in Verhandlungen über eine Fusion der DMG mit diesen Gesellschaften zu treten. Für viele Teilnehmer der Mitgliederversammlung – so auch für mich – kam dieser Vorschlag ziemlich überraschend, zumal in der ausgesendeten Tagesordnung der Mitgliederversammlung explizit davon nicht die Rede war. Der ursprüngliche Vorschlag des gesamten DMG-Vorstandes wurde nach einer längeren Diskussion modifiziert (Zusatz zum Antrag: „Hierbei sollen die Interessen der DMG gewahrt bleiben.“) und bei der folgenden Abstimmung mehrheitlich befürwortet.
Im Gegensatz zum Vorstand der DMG muss ich für mich feststellen, dass ich solch eine Fusion entschieden ablehne. Dafür gibt es viele Gründe, von denen ich einige, die mir im Augenblick wichtig erscheinen, im Folgenden darstellen möchte:
Die Mineralogie hat eine interdisziplinäre Stellung zwischen Physik, Chemie, Materialwissenschaften, Biologie und Geowissenschaften. Eine alleinige Verbindung mit den Geowissenschaften wird dieser Interdisziplinarität nicht gerecht und würde auf längere Sicht zu einer Verkleinerung des wissenschaftlichen Spektrums der Mineralogie führen. Gerade diese, zurzeit noch existierende fachliche Bandbreite von der Kristallographie über die Kristallzüchtung, die Technische Mineralogie, die Materialwissenschaften, die experimentelle Mineralogie und Petrologie, die spezielle Mineralogie, die (theoretische) Petrologie, die Geochemie, die Lagerstättenkunde, die Archäometrie bis zur Feldpetrographie machen die besondere Attraktivität der Mineralogie in Mitteleuropa aus. Absolventen eines derart ausgerichteten Studiums hatten und haben aufgrund ihrer breiten Ausbildung und der erworbenen Fähigkeiten beste Chancen für ihre zukünftige berufliche Laufbahn in der Industrie, in Forschungsinstituten und an den Universitäten. Ich möchte in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass sogar einer der Absolventen einer mineralogisch kristallographischen Ausbildung den Nobelpreis für Physik erhalten hat.
Aufgrund des geschilderten Fächerkataloges ist die Mineralogie für mich auch keine reine Geowissenschaft. Der Bezug zu den Geowissenschaften ist zweifelsohne stark ausgeprägt, aber es gibt Bereiche, z.B. in der Angewandten und Technischen Mineralogie, die mit Geowissenschaften nicht viel zu tun haben, aber sehr wohl sehr viel mit den Materialwissenschaften. Viele sehr bekannte Mineralgruppen, wie z.B. Granate, Spinelle, Zeolithe, Perowskite und viele andere spielen eine sehr wichtige Rolle in den Geowissenschaften aber auch in den Materialwissenschaften, z.B. als geschätzte Werkstoffe für viele Applikationen. Ob diese Minerale wichtiger für die Technik oder die Geowissenschaften sind, hängt wesentlich vom Standpunkt des Betrachters ab. Mir sind auch in den letzten Jahren immer wieder Klagen von Kolleginnen und Kollegen zu Ohren gekommen, dass z.B. mineralogische Projektanträge von der Förderung durch Drittmittelgeber ausgenommen wurden, weil der geowissenschaftliche Bezug fehlen würde. Es ist auch eine Tatsache, dass sehr viele Absolventen einer mineralogisch orientierten Ausbildung später im Bereich der Technischen Mineralogie in Industrie und Wirtschaft tätig werden und dann nur marginal etwas mit Geowissenschaften zu tun haben. Ob sich diese Kolleginnen und Kollegen dann noch von einer Geologischen Gesellschaft – wie auch immer diese dann genannt wird – vertreten fühlen, wage ich zu bezweifeln. Viele „Industriemineralogen“ fühlen sich ja heute schon nicht mehr von der DMG vertreten.
Die Wichtigkeit einer fundierten Lehre in Mineralogie auch für die anderen Geowissenschaftler wird von den Protagonisten der Fusion nicht in Frage gestellt, sondern immer wieder betont. Dazu müssen aber auch an den Universitäten noch Professuren erhalten bleiben, die diese Ausbildungsfunktion basierend auf einer fundierten mineralogischen Forschung wahrnehmen können. Man bekommt aber in den letzten Jahren zunehmend den Eindruck, dass ehemalige Mineralogie-Professuren entweder gar nicht mehr besetzt werden oder durch Nichtmineralogen. Eine eigene wissenschaftliche Gesellschaft ist auch in diesem Fall am besten geeignet, diese Interessen des Lehrfaches Mineralogie an den Universitäten zu vertreten. Als Pro-Argument für die Fusion, die, wenn man es genau nimmt, eine Auflösung der DMG bedeutet, wird immer wieder angeführt, dass eine größere Gruppe auch die Interessen der einzelnen Fächer besser vertreten kann. Das gibt es doch eigentlich schon im Berufsverband Deutscher Geowissenschaftler (BDG), der ja auch die Interessen der DMG vertreten sollte. Anscheinend funktioniert das nicht besonders gut, denn sonst käme man nicht auf Fusionsgedanken. Ich kann mir schon vorstellen, dass es einen übergeordneten starken Verband geben könnte, der die Interessen der einzelnen Gesellschaften, wie die der Geologischen Vereinigung, der Paläontologischen Gesellschaft, der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft, etc., kompetent und energisch vertritt. Einem solchen Verband könnte auch die DMG angehören, aber bitte als selbstständige Gesellschaft mit einem garantierten Sitz des DMG-Vorsitzenden in diesem übergeordneten Berufsverband. Diese Selbstständigkeit ist mir wichtig. Sonst führt man doch gerne die Verhältnisse im angelsächsischen Wissenschaftsraum als vorbildlich an. Bis jetzt habe ich noch nichts davon gehört, dass sich die Mineralogical Society of America (MSA) auflösen und mit der Geological Society of America (GSA) fusionieren wird.
Jedenfalls sollte die letzte Mitgliederversammlung in Salzburg der Ausgangspunkt für eine breitangelegte Diskussion über die Zukunft der DMG und des Faches Mineralogie unter den Mitgliedern der DMG sein. Letztendlich möchte ich eine Abstimmung durch alle Mitglieder vorschlagen, was demokratiepolitisch sicherlich das Vernünftigste wäre. Ansonsten stellt sich die Situation ja doch so dar, dass man bei einer de facto Auflösung der DMG nicht automatisch Mitglied einer neuen anderen Gesellschaft wird.
Fazit: Ein Fach wie die Mineralogie mit einem derart breiten wissenschaftlichen Spektrum muss durch eine eigene wissenschaftliche Gesellschaft vertreten werden, die ihre Interessen wahrnimmt. Sonst wird die Mineralogie in ihrer derzeitigen Form und fachlichen Breite über kurz oder lang an Bedeutung verlieren und im Spektrum der wissenschaftlichen Fächer nur noch eine marginale Rolle spielen. Eine solche Entwicklung wird doch ernsthaft kein DMG-Mitglied wollen.

Georg Amthauer (Salzburg)

 

 

Ich habe zur Kenntnis nehmen müssen, dass entgegen des Selbstverständnisses der DMG als Mitgliedergesellschaft und als Vertretungsorgan eines a priori interdisziplinären Faches eine Fusionsperspektive mit geologischen Gesellschaften in die Welt gesetzt wurde. Eine unterstützende Entscheidung des erweiterten Vorstandes und auch die Beauftragung durch die Mitgliederversammlung in Salzburg zu Fusionsgesprächen mit, wenn auch offenem Ausgang konterkarieren die örtlichen Behauptungsaktionen der Mineralogie und bedeuten schon jetzt eine Schwächung unseres Fachs. Wie wenig die Mineralogie ganz grundlegend diskutiert wurde, zeigt, dass die GMIT mit dem Hinweis des Vorsitzenden zur Aussprache (was ist das?) bei der Mitgliederversammlung nicht die Perspektiven der Mineralogie und der DMG in Lehre, Forschung und Beruf etc. in Angriff nimmt und stattdessen ausschließlich die Geologie als Fixpunkt angeht. Die Fusionsdiskussion bedeutete eine Präjudizierung des Vorgehens, was mit der Auflösung der DMG gekoppelt wäre. Eine Fusion mit geologischen Gesellschaften würde inhaltlich und durch die dann gegebenen Mehrheitsverhältnisse die Brandbreite der DMG als Materialwissenschaft der Umwelt in Natur und Technik ausschließen. Die weltweit geachtete Alleinstellung der Mineralogie in Deutschland würde zerstört und auch die Berufsbilder und Chancen der Absolventen wären nachhaltig reduziert.
Dieser Schritt zur möglichen Selbstaufgabe ist auch ein Negativsignal für die Mineralogie an Hochschulen und in der Industrie. Viele unserer Teilbereiche wären auch in anderen Gesellschaften unterzubringen. Allerdings sind Gesellschaften wie die DGM, DGKK, DGK, Bunsen-Gesellschaft etc. Ausdruck einer wesentlichen Partnerschaft kleinerer, aber bedeutender Wissenschafts- etc.-Bereiche. Zentralisierung und Stromlinienform sind der falsche Weg.
Die Mineralogie an die Geologie anhängen zu wollen, ist auch historisch falsch: Was würde wohl Agricola dazu sagen?
Eine Fusion hätte auch für die europäischen Gesellschaften, Zeitschriften etc. der Mineralogie unabsehbar negative Folgen.
Ich halte den Mandatsbeschluss der Mitgliederversammlung für absolut falsch. Ich hoffe, dass die Mineraloge und die DMG durch profunde Diskussion und Weitsicht gestärkt aus diesem Konflikt hervorgehen werden. Eine Einbeziehung anderer Gesellschaften wie der DGK ist unerlässlich.

Klaus Bente (Leipzig)

 

 

Die Mineralogie ist seinerzeit an den geologischen Instituten entstanden, um über die Materie der Gesteine mehr zu erfahren, als es mit geowissenschaftlichen Methoden möglich war. Die Objekte der Geowissenschaften waren damals der Ausgangspunkt mineralogischer Untersuchungen und Betrachtungsweisen – die Methoden waren aber der Physik und Chemie entlehnt, um über die Materie genauere Informationen zu erhalten.
Die Kristallographie war ursprünglich und bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts Teil der Mineralogie. Ihre Objekte gingen weit über die Minerale als natürlich entstandene Kristalle hinaus. Es war deshalb logisch, dass sich die Kristallographie von der Mineralogie abspaltete und sich im wesentlichen bei der Physik ansiedelte.
Inzwischen ist eine ähnliche Entwicklung bei der klassischen Mineralogie eingetreten. Zwar bearbeiten die mineralogischen Institute der Tradition entsprechend nach wie vor überwiegend geowissenschaftliche Objekte. Die Aufgaben der Universitätsinstitute haben sich aber inzwischen erheblich gewandelt; heute ist nicht nur das Forschungsobjekt, sondern auch die Ausbildung von Nachwuchskräften eine integrierende Aufgabe eines Institutes. Die Aufgaben der Absolventen der Mineralogie sind später nur begrenzt geowissenschaftlich; die Mehrzahl der Absolventen wird in dem weiten Gebiet der Werkstoffwissenschaften tätig sein. Aus diesem Grund ist ja das Gebiet der technischen Mineralogie entstanden. Da die mineralogischen Institute die riesige Nachfrage nach Fachleuten für materialwissenschaftliche Fragen wegen ihrer Fixierung auf geowissenschaftliche Fragestellungen nicht decken konnten, ist ein eigener Wissenschaftszweig, die Werkstoffwissenschaft entstanden. Diese ist nach meinem Empfinden zwar ein Teil der technischen Mineralogie und verwendet weitgehend deren Methoden und Fragestellungen. In den Augen der Öffentlichkeit ist die Werkstoffwissenschaft aber kein Teil der Geowissenschaften, sondern ein selbstständiger Wissenschaftszweig. Ich frage mich, ob ein junger Mensch auf den Gedanken kommen könnte, Geowissenschaften zu studieren, wenn er Mineralogie studieren will und sein Ziel ist, Einblick in die Materie zu bekommen. Die Mineralogie steht deshalb vor der Entscheidung: entweder sie bleibt bei den Geowissenschaften, dem Charakter der Historie und der überwiegenden Zahl ihrer Aufgaben entsprechend. Dann verzichtet sie allerdings auf das weite Gebiet der technischen Mineralogie, die eben kaum eine Geowissenschaft ist; sie verzichtet damit auch auf ein Gebiet, in dem die Mehrzahl ihrer potentiellen Absolventen tätig werden könnte. Oder sie sieht ihre Aufgabe mehr in der allgemeinen Materialwissenschaft. Dann tut sie sich einen Bärendienst, wenn sie bei den Geowissenschaften bleibt, bei denen sie wohl immer die Funktion einer Hilfswissenschaft haben wird: entsprechend begrenzt wird auch die Bereitstellung der Mittel hierfür sein.
Ich möchte betonen, dass ich die Zielsetzungen der Geowissenschaften für sehr wichtig halte; sie können aber nicht das alleinige Ziel des Mineralogen sein. Die Zuschriften zu der Entwicklung der Geowissenschaften beweisen, dass die überwiegende Zahl der Mineralogen der Meinung ist, die Zugehörigkeit zu den Geowissenschaften beizubehalten. Ob sich alle Mineralogen über die Konsequenzen ihrer Meinung im Klaren sind, wage ich zu bezweifeln. Die von Herrn Wedepohl festgestellte mäßige Beteiligung der technischen Mineralogen an den DMG-Tagungen entspringt wohl dem verständlichen Wunsch, mit den vorgetragenen Ergebnissen auch die richtige Anerkennung zu finden. Man wird deshalb wohl vorzugsweise vor dem Publikum vortragen, das diese Ergebnisse am besten zu würdigen weiß. Dies sind einige Gedanken eines Mineralogen, der sich seiner Herkunft nach nicht als Geowissenschaftler fühlt. Ich will allerdings keineswegs verschweigen, dass ich von dem geowissenschaftlichen Gedankengut immer sehr profitieren konnte.

Karl-Heinz Schüller (Berg)

 

 

Als Mineraloge und Mitglied der DMG kann und möchte ich einer solchen Fusion nicht zustimmen. Der jahrelange Kreuzzug in der Mitte der Geowissenschaften, der zu einer systematischen Ausrottung der Mineralogen in der Mitte der Erdwissenschaften geführt hat (und den die Mineralogen nicht angezettelt haben), kann nicht durch eine solche gebückte Aktion beantwortet werden.
Im Gegenteil, eine engere Anbindung an DGK und DGKK, sowie DPG und GDCh und die GV sollte eher dazu führen, dass die in aller Munde immer geführte „Interdisziplinarität“, die die Mineralogie (wie kaum ein anderes Fach der Naturwissenschaften) verkörpert, endlich herausstellt, dass Mineralogie Geo ist... aber nicht nur. Mineralogie ist ebenso angewandt, wie Grundlagenforschung; ist Physik, Chemie, Mathematik, Biologie, Paläontologie, Archäometrie, Geologie, Petrologie, Kristallographie, Pharmazie, Materialwissenschaft, Werkstoff- und Bau-Ingenieurswesen, Informatik ... und vieles, vieles mehr. Wer, wenn nicht wir, lebt die Interdisziplinarität und die Kooperation über die „Fächer“ hinaus?
Wenn wir, die DMG, das aufgeben wollen, um uns auf einen dieser vielfältigen Aspekte zu reduzieren, kann ich meine Mitgliedschaft in dieser Gesellschaft nicht länger aufrecht erhalten.

Lars Peters (Aachen)

 

 

(...) Friedhelm von Blanckenburg sprach mich auf der Goldschmidt-Tagung in Prag an, dass GV und DGG definitiv zusammengehen wollen, und dass es doch unglaublich schade wäre, wenn die DMG da nicht mitmachte. Ich sehe das ähnlich, denn wenn man JETZT nicht mitmacht, dann vergibt man die Chance, die generelle Struktur (z. B. mit Sektionen, die ja für unsere Angewandten Mineralogen so wichtig wären, damit sie sich weiter sicher und frei entfalten können) mitzubestimmen. ...
Ich glaube, im Fernziel sind sich da ja auch die meisten einig: die kleinen Gesellschaften haben auf Dauer einfach keine Durchschlagskraft mehr und werden an Mitgliederschwund sterben, wenn sich größere formieren. Dieser Prozess scheint jetzt zu beginnen, und ich habe vor Jahren durch die Einführung der damals nur für Studenten gültigen Doppelmitgliedschaft mit GV versucht, die DMG in diesen Prozess einzubinden. Macht Ihr da auch weiter?

Gregor Markl (Tübingen)

 

 

 

 

 

 

 

 

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